Mechanismen einer kontextfreien Grammatik für das Deutsche
Dieser Beitrag stellt eine Grammatik für ein deutschsprachiges Text-to-Speech-System vor. Bei der Sprachsynthese zählt kurze Verarbeitungszeit, doch eine allzu oberflächliche linguistische Analyse liefert kein hochwertiges Sprachsignal – zumindest eine syntaktische Verarbeitung lohnt sich also. Die Computerlinguistik arbeitet überwiegend mit Unifikationsgrammatiken; um Rechenzeit zu sparen, beschränkt sich das hier besprochene System jedoch auf die Unifikation atomarer Terme. Informell wird gezeigt, dass daraus unmittelbar folgt, nur noch kontextfreie Sprachen verarbeiten zu können. Entgegen verbreiteter Meinung lassen sich mit einer kontextfreien Grammatik aber auch komplexere sprachliche Phänomene behandeln. Der Hauptteil zeigt Mechanismen, mit denen selbst eine auf atomare Unifikation beschränkte Grammatik Koordination, Subkategorisierung, Fernabhängigkeiten und freie Wortstellung bewältigt.
Ursprünglich als studentischer Beitrag zur 18. Deutschen Jahrestagung für Künstliche Intelligenz (KI-94) in Saarbrücken erschienen. Eine gekürzte englische Fassung, Treating German with a Provably Context-Free Grammar, wurde 1995 an der 5. Tagung der Computerlinguistik-Studenten (TaCoS) vorgestellt.
Beschrieben werden die Grammatik und der Parser des Text-to-Speech-Systems SVOX, das von der Gruppe für Sprachverarbeitung an der ETH Zürich entwickelt wurde; meine Aufgabe war es, während dreier Monate 1993 beide zu überarbeiten.
